Vorwort

Lizenzverträge, d.h. Verträge über die Einräumung von Benutzungs-, Herstellungs- und Vertriebsrechten an einem Patent, einem Gebrauchsmuster, einem Softwareurheberrecht oder Geschmacksmuster oder auch an einer Marke, sind seit langer Zeit wichtiger Bestandteil des modernen Wirtschaftslebens. Dennoch bereitet der Abschluss von Lizenzverträgen häufig Schwierigkeiten. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass Lizenzverträge von der Praxis entwickelt wurden und im Gesetz keine detaillierte Regelung gefunden haben. Erschwerend kommt hinzu, dass Lizenzverträge regelmäßig mit hohen Risiken verbunden sind.

Vor allem aufgrund der Gruppenfreistellungsverordnung Nr. 772/2004 der EG-Kommission für Lizenzverträge vom 27. 4. 2004 (GFTT), die am 1.5. 2004 in Kraft getreten ist und der neuen Gruppenfreistellungsverordnung Nr. 316/2014 vom 21. 3. 2014 (TT-GVO), die am 1. 5. 2014 in Kraft getreten ist, sind bei der Diskussion über Lizenzverträge kartellrechtliche Fragen noch mehr in den Vordergrund getreten, als dies nach der bis zum 30. 4. 2004 geltenden GVO Nr. 240/96 schon der Fall war. Ferner ist die Gruppenfreistellungsverordnung für juristische Laien kaum und selbst für den mit der Materie vertrauten Juristen nur schwer verständlich. Es erfolgte ein Paradigmenwechsel. Es gilt seit dem 1. 4. 2004 das Prinzip der Legalausnahme. In Verbindung mit der ebenfalls am 1.5. 2004 in Kraft getretenen VO Nr. 1/2003, die das neue grundlegende Kartellrecht in der EU verkörpert, wurde zwar für Lizenzverträge (Patente-, Know-how- und erstmals auch für Geschmacksmuster- und Softwareurheberrechtslizenzen) ein neuer Ansatz gesucht. Dieser neue Ansatz spiegelt sich u.a. auch in den umfangreichen Leitlinien bereits zu der GFTT und auch in der TT-GVO jetzt wider. Jedoch ist die erstmalige Einführung von Marktanteilsschwellen bei den Anwendern schon vor dem Inkrafttreten der GFTT auf Unverständnis gestoßen und wird eher den Technologietransfer hemmen als fördern.

Die Texte der VO (EU) Nr. 1217/2010 für Forschungs- und Entwicklungsvereinbarungen vom 14. 12. 2010 sowie die Leitlinien über Vereinbarungen über horizontale Zusammenarbeit in der korrigierten Form vom 14. 1. 2011 wurden im Anhang mit aufgenommen.

Den steuerlichen Teil hat wieder Herr Steuerberater Prof. Dr. Günther Strunk, Hamburg, überarbeitet und aktualisiert, die Fragen der Genehmigungspflicht bei Auslandsverträgen wurden erneut von Frau Rechtsanwältin Stefanie Mielert, München, bearbeitet. Frau Mielert und Herrn Prof. Dr. Strunk ist für ihre wertvolle Mithilfe auch dieses Mal wieder sehr zu danken.

Der Anhang wurde durch wichtige Regelungen ergänzt. Die Checkliste wurde aktualisiert.

München, im Januar 2015

Dr. Michael Groß

Abkürzungsverzeichnis

a. A.

anderer Ansicht

abl.

ablehnend

ABl.

Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft

Abs.

Absatz

Abschn.

Abschnitt

ACP

Archiv für die civilistische Praxis

AEUV

Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union

a. F.

alte Fassung

AG

Amtsgericht

AIPPI

Association International de Protection de Propiété Intelectuelle

Alt.

Alternative

a. M.

anderer Meinung

Amtsbl. EPA

Amtsblatt des Europäischen Patentamts

Anh.

Anhang

Anm.

Anmerkung

Antitrust Bull.

Antitrust Bulletin

AO

Abgabenordnung

ArbNErf/ArbEG

Gesetz über Arbeitnehmererfindungen (BGBl. 1956 I, 756)

Art.

Artikel

AS

Amtliche Sammlung

Aufl.

Auflage

AWG

Außenwirtschaftsgesetz (BGBl. 1961 I S. 481 f.)

AWV

Außenwirtschaftsverordnung (BGBl. 1961 I S. 1381)

Az.

Aktenzeichen

BAFA

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

BAnz.

Bundes-Anzeiger

BB

Betriebs-Berater

Bd.

Band

BegrESchuMoG

Begründungsentwurf zum Schuldrechtsmodernisierungsgesetz

Beschl.

Beschluss

betr.

betreffend

bfai

Bundesagentur für Außenwirtschaft

BFH

Bundesfinanzhof

BGB

Bürgerliches Gesetzbuch

BGBl.

Bundesgesetzblatt

BGE

Entscheidungen des Bundesgerichts (Schweiz)

BGH

Bundesgerichtshof

BGHZ

Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Zivilsachen

BKartA

Bundeskartellamt

Bl.

Blatt für Patent-, Muster- und Zeichenwesen

BMF

Bundesministerium für Finanzen

BMWA

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit

BMWi

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

BPatG

Bundespatentgericht

BStBl.

Bundessteuerblatt

BT-Drucks.

Bundestagsdrucksache

BVerfG

Bundesverfassungsgericht

BVerfGE

Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

bzw.

beziehungsweise

CAD

Computer Aided Design

CAM

Computer Aided Manufacturing

CISG

Übereinkommen der Vereinten Nationen über den internationalen Warenkauf

ComHdB

Computerrechts-Handbuch

CR

Computer und Recht

DB

Der Betrieb

DBA

Doppelbesteuerungsabkommen

dgl.

dergleichen

d. h.

das heißt

DPA

Deutsches Patentamt

DR

Deutsches Recht

DVGRUR

Deutsche Vereinigung für Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht

DVO

Durchführungsverordnung

DZWiR

Deutsche Zeitschrift für Wirtschaftsrecht

EAA

Export Administration Act

EAR

Export Administration Regulations

ECLR

European Competition Law Review

ECR

European Commission Report

EG

Europäische Gemeinschaft

EGBGB

Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch

EGKSV

Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl

EGV

EG-Vertrag

endg.

endgültig

EPA

Europäisches Patentamt

EPA ABl.

Europäisches Patentamt, Amtsblatt

EPÜ

Europäisches Patentübereinkommen

ErbStG

Erbschaftsteuergesetz

ErstrG

Erstreckungsgesetz

Erw.

Erwägunsgrund

EStDVO

Einkommensteuer-Durchführungsverordnung

EStG

Einkommensteuergesetz

EStR

Einkommensteuerrichtlinien

EuG

Europäischer Gerichtshof 1. Instanz

EuGH

Europäischer Gerichtshof

EuGVVO

Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen

EuR

Europarecht

EuGVÜ

Europäische Gemeinschaft – Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen

EuZW

Europäische Zeitschrift für Wirtschaftsrecht

E. u. V.

Erfindungs- und Vorschlagswesen

EV (zu WuW/E)

Europäische Verträge

evtl.

eventuell

EWG, EG

Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Europäische Gemeinschaft

EWIV

Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung

EWS

Europäisches Währungssystem

ff.

folgende

FG

Finanzgericht

Fn.

Fußnote

FS

Festschrift

GebrMG, GbmG

Gebrauchsmustergesetz (BGBl. 1968 I S. 24)

G.E.I.E.

Groupement Européen d’Intérêt Économique

gem.

gemäß

GewAufzVO

Gewerbeaufzeichnungsverordnung

GewStG

Gewerbesteuergesetz

GG

Grundgesetz

ggf.

gegebenenfalls

GPÜ

Gemeinschaftspatentübereinkommen (BGBl. 1979 II S. 833)

GRUR

Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht

GRUR Int.

Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, Auslands- und internationaler Teil

GRUR-RR

Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, Rechtsprechungs-Report vereinigt mit NJWE-WettbR

GVG

Gerichtsverfassungsgesetz (BGBl. 1975 I S. 1077)

GVO

Gruppenfreistellungsverordnung

GWB

Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (BGBl. 1980 I, 1761)

H

Hinweise zu Steuerrichtlinien

HGB

Handelsgesetzbuch

h. L.

herrschende Lehre

h. M.

herrschende Meinung

HS

Halbsatz

i. d. F.

in der Fassung

IDR

Journal of International Dispute Resolution

i. d. S.

in diesem Sinne

i. e. S.

in engerem Sinne

i. S. d.

im Sinne des

IHK

Internationale Handelskammer

IIC

International Review of Industrial Property and Copyright

InsO

Insolvenzordnung

intern.

international

Int. Bus. Law.

International Business Lawyer

InvZulG

Investitionszulagengesetz 1986 (BGBl. I S. 231) und 1991 (BGBl. 1986 I S. 1322)

IPR

Internationales Privatrecht

IPRG

Gesetz zur Neuregelung des Internationalen Privatrechts (BGBl. 1986 I 1142)

IPRspr.

die deutsche Rechtsprechung auf dem Gebiet des internationalen Privatrechts

i.V. m.

in Verbindung mit

JR

Juristische Rundschau

JW

Juristische Wochenschrift

JZ

Juristenzeitung

Kap.

Kapitel

KG

Kammergericht

KO

Konkursordnung (RGBl. 1898 S. 612)

KOM.

Kommission der EG

KStG

rperschaftsteuergesetz

KStR

rperschaftsteuerrecht

Les Nouvelles

Les Nouvelles, Journal of the Licensing Executives Society

LG

Landgericht

li. Sp.

linke Spalte

LM

Lindenmaier-Möhring, Sammlung von Entscheidungen des Bundesgerichtshofs

MarkenR

Zeitschrift MarkenR

MDR

Monatsschrift für Deutsches Recht

Mitt.

Mitteilungen des Verbandes deutscher Patentanwälte

MRG

Militärregierungsgesetz

MUV

Montanunion-Vertrag

MuW

Markenschutz und Wettbewerb

m. w. N.

mit weiteren Nachweisen

MwSt

Mehrwertsteuer

NJW

Neue Juristische Wochenschrift

Nr.

Nummer

OLG

Oberlandesgericht

OLGE

Sammlung der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte

ORGALIME

Organisme de Liaison des Industries Métalliques Européenes

PatBl.

Patentblatt

PatG

Patentgesetz (BGBl. 1981 I S. 1)

PMZ, Bl. f.

Blatt für Patent-, Muster- und Zeichenwesen

PVÜ

Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums

RabelsZ

Rabels Zeitschrift für ausländisches und internationales Privatrecht

Rn.

Randnummer

re. Sp.

rechte Spalte

Rev. trim. dr. europ.

Revue Trimestrielle de Droit Européen

RG

Reichsgericht

RGBl.

Reichsgesetzblatt

RGZ

Entscheidungen des Reichsgerichts in Zivilsachen

RIW/AWD

Recht der Internationalen Wirtschaft/Außenwirtschaftsdienst des Betriebs-Beraters

Rs.

Rechtssache

RStBl.

Reichssteuerblatt

s.

siehe

S.

Seite

SchiedsVfG

Schiedsverfahrensneuregelungsgesetz

SchiedsVZ

Zeitschrift für Schiedsverfahren

SchuMoG

Schuldrechtsmodernisierungsgesetz

SeuffArch

J. A. Seuffert’s Archiv für Entscheidungen der obersten Gerichte in den deutschen Staaten

Slg.

Sammlung

sog.

sogenannte

Swiss Rev. of …

Swiss Review of International Competition LawIntern. Comp. Law

TGI

Tribunal de grande instance

TT-GVO

Gruppenfreistellungsverordnung für Technologietransfer-Vereinbarungen (Verordnung (EU) Nr. 315/2014)

Tz.

Textziffer

u. Ä.

und Ähnliches

UrhG

Urheberrechtsgesetz (BGBl. 1965 I S. 1273)

usw.

und so weiter

UStG

Umsatzsteuergesetz

UstR

Umsatzsteuerrichtlinien

u. U.

unter Umständen

UWG

Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (RGBl. 1909 S. 499)

VDMA

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.

VerbrKrG

Verbraucherkreditgesetz

VerlG

Verlagsgesetz

vgl.

vergleiche

VO

Verordnung

VPP-Rundbrief

Deutscher Verband der Patentingenieure und Patentassessoren e.V. – Rundbrief

VStR

Vermögensteuer-Richtlinien

WarnRspr

Warneyers Jahrbuch der Entscheidungen

WIPO

World Intellectual Property Organisation

WM

Wertpapiermitteilungen

WRP

Wettbewerb in Recht und Praxis

WuW

Wirtschaft und Wettbewerb

WuW/E oder

Wirtschaft und Wettbewerb (Entscheidungssammlung

WuWE BKartA

zum Kartellrecht)

WZG

Warenzeichengesetz (BGBl. 1968 I S. 29)

z. B.

zum Beispiel

Zeitschr.

Zeitschrift

ZGE

Zeitschrift für Geistiges Eigentum, Intellectual Property Journal

ZfAW

Zeitschrift für die gesamte Wertschöpfungskette Auto-

mobilwirtschaft

Zfkr

Zeitschrift für Hochschulrecht

Ziff.

Ziffer

ZIP

Zeitschrift für Wirtschaftsrecht und Insolvenzpraxis

ZKM

Zeitschrift für Konflikt-Management

ZWer

Zeitschrift für Wettbewerbsrecht

ZUM

Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht

z. Z.

zur Zeit

Einleitung:
Die Bedeutung des Lizenzvertrages

1

Der Lizenzvertrag hat im modernen Geschäftsleben eine wesentliche Bedeutung erlangt, die ständig zunimmt.1 Dies gilt sowohl für Firmen innerhalb der Bundesrepublik als auch im Verhältnis der Industrieländer untereinander und auch im Verhältnis der Industrieländer zu den Entwicklungsländern. Die Bedeutung der Lizenzverträge lässt sich sowohl aus den zahlreichen Entscheidungen und Mitteilungen über Lizenzverträge entnehmen als auch aus der Entscheidung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, die Gruppenfreistellungsverordnung für Technologietransfer-Vereinbarungen zu erlassen.2 Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang darauf zu verweisen, dass auch die Entwicklungsländer (Gruppe der 77) bereits in der sog. Aruscha-Deklaration3 die Bedeutung der Übernahme von Technologie und damit die Bedeutung der Lizenzverträge betonen.4

Dementsprechend erheblich ist der Umfang des Austausches von durch Schutzrechte geschützter Technologie. Das Volumen des Handels mit Lizenzen in der Bundesrepublik belief sich z.B. für das Jahr 2008 auf ein Gesamtvolumen von 59,2 Milliarden Euro, wovon freilich der größere Teil, nämlich 31,2 Milliarden Euro, als Einnahme verzeichnet werden konnte.

In einer Studie des Europäischen Patentamts und des Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt wurde im September 2013 festgestellt, dass „der Anteil der schutzrechtsintensiven Industriezweige an der gesamten Wirtschaftstätigkeit der Union 39 % des Bruttoinlandsprodukts“ beträgt. Es handelt sich um 4,7 Billionen Wertschöpfungen pro Jahr. 56 Mio. (26 %) Arbeitsplätze sind direkt betroffen. 321 Branchen sind nach dieser Studie schutzrechtsintensiv. So stehen Patente z.B. bei motorisch angetriebenen Handwerkzeugen, der pharmazeutischen und der chemischen Industrie im Vordergrund. Marken, Designrechte und Urheberrechte kommen ebenfalls erhebliche Bedeutung zu. In den USA kam eine ähnliche Studie vom April 2012 zu entsprechenden Ergebnissen.5

2

Die Gründe für den Abschluss von Lizenzverträgen sind verschiedener Art. So kann es sein, dass ein Erfinder selbst nicht in der Lage ist, ein Patent auszuwerten, da er nicht über das nötige Kapital und die erforderlichen Fabrikationsanlagen verfügt. Will er sein Patent verwerten, ohne es ganz zu veräußern, so bietet es sich an, das Recht zur Herstellung seiner Erfindung gegen Zahlung einer Entschädigung einem Unternehmer zu lizenzieren.

3

Auch Industrieunternehmen lassen ihre patentierten Erfindungen in zunehmendem Maße durch andere Firmen im Ausland herstellen. Wichtige Gründe hierfür sind z.B., dass die Produktionskosten, beispielsweise die Lohnkosten, im Ausland wesentlich niedriger sind und billige Rohstoffe vorhanden sind, deren Bearbeitung an Ort und Stelle kostengünstiger ist als am Sitz des Lizenzgebers.6 Ein weiterer Grund für die Lizenzvergabe kann die Einfuhrpolitik bestimmter Länder sein, wenn diese beispielsweise die Einfuhr bestimmter industrieller Erzeugnisse erschweren oder verbieten, die Lizenzerteilung an ihre Staatsangehörigen dagegen zulassen. In diesen Ländern herrscht häufig Devisenknappheit. Sie versuchen deshalb, Güter selbst herzustellen, sind jedoch aus eigener Kraft dazu nicht immer imstande. Ein Nachbau von Erzeugnissen – soweit ein Patentschutz nicht gegeben ist – ist insbesondere in Entwicklungsländern jedoch aus technischen Gründen nicht ohne Weiteres möglich. Man hilft sich insoweit durch den Abschluss von Verträgen, durch die der Lizenzgeber verpflichtet wird, technische Hilfe zu leisten, indem er seine Konstruktionsunterlagen, Herstellungsunterlagen, Zeichnungen, Anweisungen und dgl. zur Verfügung stellt und den Lizenznehmer bei der Herstellung berät. Unter Umständen geht man auch noch weiter und verpflichtet den Lizenzgeber, Fachkräfte, die den Aufbau der Produktion überwachen, zu entsenden und Arbeiter des Lizenznehmers in seinem Betrieb auszubilden. Auch die Lieferung von Werkzeugen, Maschinen, Produkten, die im Land selbst nicht hergestellt werden können, und Vorrichtungen sowie die Überlassung von Marken werden vereinbart.

4

Für den Lizenznehmer wird es jedoch auch oft darum gehen, eine Kapazitätslücke zu schließen, die sich daraus ergibt, dass der Lizenznehmer nicht über die erforderlichen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten verfügt, die für eine sinnvolle Produktionsaufnahme notwendig wären. Vor allem verkürzt sich jedoch der technologische Rückstand des Lizenznehmers, d.h. für den Lizenznehmer ist die neue Technologie ohne riskante und kostspielige eigene Forschungsaufwendungen unmittelbar verfügbar, wobei er ggf. sofort auch auf die Neu- und Weiterentwicklungen zurückgreifen kann. Dabei kann der Erwerb von Technologie dazu dienen, eine Produktion neu aufzubauen, aber auch sie zu ergänzen, zu verbessern oder zu erweitern. Ein weiteres Motiv kann auch die Abrundung einer vorhandenen Produktpalette durch ein weiteres Produkt sein, da es insbesondere in diesen Fällen häufig einfacher ist, entsprechende fertige Entwicklungen zu erwerben, als zu versuchen, sie selber zu erarbeiten.

5

Der Abschluss von Lizenzverträgen kann daher der Rationalisierung dienen, indem Firmen der gleichen Branche jeweils ihre Forschung auf ein bestimmtes Gebiet konzentrieren und sich dann gegenseitig die Ergebnisse ihrer Arbeit zur Verwertung im Wege der Lizenz zur Verfügung stellen. In diesen Fällen ist das in Deutschland seit dem 1.7.2005 geltende neue nationale Kartellrecht (7. Novelle des GWB) zu berücksichtigen. Es ist auch das Kartellrecht der Länder zu beachten, auf die sich die Verträge auswirken.7

6

Parallel zu dem Patentschutz, der auch heute noch das einfachste, billigste, umfassendste und wirksamste System staatlicher Innovationsförderung darstellt,8 wird der Abschluss von Lizenzverträgen vom Gesetzgeber ebenfalls gefördert, um die Entwicklung der Industrie voranzutreiben. Dieser ermäßigt die Jahresgebühren auf die Hälfte, wenn der Patentinhaber seine allgemeine Lizenzbereitschaft erklärt, d.h., wenn er sich bereit erklärt, jedermann die Benutzung der Erfindung gegen angemessene Vergütung zu gestatten.9

7

Nach den Patentgesetzen zahlreicher Länder besteht ferner die Möglichkeit, Zwangslizenzen zu erteilen, wenn dies im öffentlichen Interesse liegt, oder bei Nichtausführung der Erfindung in dem betreffenden Land, auch ohne dass ein öffentliches Interesse vorliegt.10 Art. 31g TRIPS setzt § 24 (5) 6 PatG in deutsches Recht um.

In manchen Ländern geht man hier noch weiter, indem man bestimmt, dass das Patent erlischt, wenn es nicht im Lande benutzt wird. Eine Ausübung im Sinne dieser Bestimmungen ist dabei nicht darin zu sehen, dass der Patentgegenstand im Ausland hergestellt und in das betreffende Staatsgebiet eingeführt wird.

Für die Länder, die der Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums vom 20. März 188311 in der Stockholmer Fassung vom 14. Juli 196712 beigetreten sind, enthält diese in Art. 5A Abs. 3 in dieser Hinsicht gewisse Schranken, durch die der Verlust des Patents nahezu ausgeschlossen ist. Es heißt dort: „(3) Der Verfall des Patents kann nur dann vorgesehen werden, wenn die Gewährung von Zwangslizenzen zur Verhütung dieser Mißbräuche nicht ausreichen würde. Vor Ablauf von zwei Jahren seit Gewährung der ersten Zwangslizenz kann kein Verfahren auf Verfall oder Zurücknahme des Patents eingeleitet werden.“

8

Das Gemeinschaftspatent-Übereinkommen (GPÜ)13 kennt keine zentrale Erteilung von Zwangslizenzen an Gemeinschaftspatenten, sondern sieht die Erteilung territorial beschränkter Zwangslizenzen an Gemeinschaftspatenten nach nationalem Recht durch die zuständigen nationalen Behörden14 vor, wobei allerdings die Entschließung über eine gemeinsame Regelung für die Erteilung von Zwangslizenzen an Gemeinschaftspatenten auf eine Abschaffung der dezentralisierten Erteilung von Zwangslizenzen zielt.15

Zwangslizenzen sind weiterhin in Art. 17 des Euratom-Vertrages vorgesehen, und zwar sowohl zugunsten der Gemeinschaft als auch zugunsten interessierter Dritter, die ihren Sitz in der Gemeinschaft haben. Im letzteren Fall sind die Voraussetzungen strenger.16

9

Besondere Bedeutung hat der Lizenzvertrag aufgrund des Gesetzes über Arbeitnehmererfindungen erlangt. Nach diesen gesetzlichen Regelungen hat der Arbeitgeber sowohl die Möglichkeit der unbeschränkten Inanspruchnahme einer Erfindung als auch die Möglichkeit, eine nichtausschließliche Lizenz zur Benutzung der Diensterfindung zu erwerben, wenn er eine Erfindung nur beschränkt in Anspruch nimmt. Ebenso kann sich der Arbeitgeber bei der Aufgabe von Schutzrechten oder Schutzrechtsanmeldungen ein nichtausschließliches Nutzungsrecht vorbehalten.17

Die Verbindung zwischen Lizenzverträgen und Arbeitnehmererfinderrecht besteht auch dadurch, dass nach den Richtlinien für die Vergütung von Arbeitnehmererfindungen im privaten Dienst die Lizenzanalogie eine der wichtigsten Methoden zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage des Erfindungswertes ist.18

10

Der Abschluss eines Lizenzvertrages kann als geeignetes Mittel zur Beilegung von Patentstreitigkeiten in Frage kommen, sei es, dass ein Streit über den Schutzumfang eines Patentes entstanden ist oder der Antrag auf Nichtigkeitserklärung gestellt wurde. Bei unübersichtlicher Rechtslage kann es hier sinnvoll sein, den Streit dadurch beizulegen, dass sich die eine Partei verpflichtet, das Patent nicht mehr anzugreifen, die anderen als Gegenleistung hierfür eine Lizenz einräumt.19

11

Die Software ist in den letzten Jahren immer stärker in das Wirtschaftsleben, aber auch in das private Umfeld integriert worden. Simple Computerspiele, Textverarbeitungsprogramme oder komplizierte Simulations- und Steuerungsprogramme haben sich ihren Markt erobert und sind aus einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Parallel zu dieser Entwicklung entstanden zahlreiche rechtliche Probleme, die in vielen Fällen noch immer auf ihre Lösung warten. Es seien hier nur beispielhaft die Frage des geeigneten Softwareschutzes oder das Problem, welcher Vertragstyp bei der Verwertung einer Software als geeignet erscheint, erwähnt. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang u.a. die EG-Richtlinie über den Rechtsschutz von Computerprogrammen vom 14.5.1991, die in Deutschland als §§ 69a ff. durch Gesetz vom 9.6.1993 in das Urheberrechtsgesetz eingefügt wurde und die unbeschadet etwaiger vor dem 1.1.1993 getroffener Vereinbarungen und erworbener Rechte auch auf vor diesem Zeitpunkt geschaffene Programme Anwendung findet. Aufgrund dieser Richtlinie und der entsprechenden nationalen Gesetze spielt der Urheberrechtsschutz eine noch wichtigere Rolle als bisher bei der Vermarktung von Software. Gegenstand des Schutzes sind Computerprogramme, wenn sie individuelle Werke in dem Sinne darstellen, dass sie das Ergebnis der eigenen geistigen Schöpfung ihres Urhebers sind. Zur Bestimmung ihrer Schutzfähigkeit sind keine anderen Kriterien anzuwenden. Das bedeutet, dass ästhetische oder qualitative Merkmale nicht verlangt werden. Diese drastische Verringerung der Anforderungen an den urheberrechtlichen Schutzumfang eines Computerprogramms führt zugleich zu der Konsequenz, dass nicht erst die Individualsoftware, sondern schon die sogenannte Standardsoftware, soweit sie das Ergebnis einer eigenen geistigen Schöpfung im Sinne der Computerprogrammrichtlinie ist, urheberrechtsrelevanten Charakter besitzt. Im Übrigen stellen sich in vielen Fällen auch die Fragen, die bei Patent- und Know-how-Lizenzverträgen zu finden sind. Der Entwurf der Richtlinie über computerimplementierte Erfindungen wurde vom EU-Parlament am 6.7.2005 abgelehnt.20

12

Neben den genannten Rechten rücken auch Marken (Markengesetz) und Geschmacksmuster (Geschmacksmustergesetz),21 Datenbanken22 und aufgrund aktueller digitaler Technologien auch weitere, vor allem auch urheberrechtlich und kartellrechtlich geprägte Fragestellungen, immer mehr in den Vordergrund.

Die sog. Wiedervereinigung hatte erhebliche Auswirkungen auf den gewerblichen Rechtsschutz, das Urheberrecht sowie das Markenrecht. Im Mittelpunkt der Änderungen stand das Erstreckungsgesetz.23

Zum Nutzen der Industrie sollte auch die Ergebnisverwertung der öffentlich geförderten Forschung und Entwicklung zukünftig effektiver geregelt werden.24 Diese Zielsetzung bedarf jedoch angesichts mangelhafter Koordinierung der Projekte in der Vergangenheit, der zu geringen Laufzeit und Finanzierung der Projekte und der nach wie vor fehlenden personellen, finanziellen und organisatorischen Ausstattung insbesondere der Universitäten erheblicher weiterer Initiativen der öffentlichen Hand in Zusammenarbeit mit der Industrie.